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Haiti 2010- das „geschlagene Land“
Mit „ÄRZTE OHNE GRENZEN “ im humanitären Einsatz

 Bericht über einen humanitären Einsatz als Unfallchirurg und Orthopäde
mit ÄRZTE OHNE GRENZEN in Haiti vom 06.06.2010- 04.07.2010

 Das Erdbeben in Haiti 2010 war ein schweres Erdbeben, das sich am 12. Januar 2010 um 21:53 UTC (16:53 Uhr Ortszeit) ereignete. Das Epizentrum lag etwa 25 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Haitis, Port-au-Prince, das Hypozentrum etwa 17 Kilometer darunter. Die Stärke des Erdbebens wurde mit 7,0 Mw auf der Momenten-Magnituden-Skala gemessen.

Gemessen an den Opferzahlen handelt es sich um das schwerste Beben in der Geschichte Nord- und Südamerikas sowie um das weltweit verheerendste Beben des 21. Jahrhunderts. Nach Schätzung des Leiters der Mission der Vereinten Nationen in Haiti beträgt die Zahl der Toten zwischen 250.000 und 300.000, etwa 300.000 weitere Personen wurden verletzt und 1,2 Millionen obdachlos. Insgesamt sind 3 Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen.  

 Jahrzehnte bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Diktaturen führten zu weitgehend funktionsunfähigen Verwaltungen.

 

Das Beben zerstörte 60 Prozent der medizinischen Einrichtungen. 10 Prozent des Personals wurden entweder getötet oder verließen das Land.

Ärzte ohne Grenzen war gezwungen, Einrichtungen in andere Gebäude zu verlegen, Container-Krankenhäuser zu bauen, in Notunterkünften zu arbeiten und ein aufblasbares Krankenhaus zu errichten. Vom 12. Januar bis Ende Mai dieses Jahres behandelten Teams von ÄRZTE OHNE GRENZEN mehr als 173.000 Patienten und nahmen gut 11.000 chirurgische Eingriffe vor.

Mehr als 81.000 Haitianer erhielten psychologische Unterstützung. Die Mitarbeiter verteilten außerdem fast 20.000 Zelte und mehr als 35.000 Nothilfe-Kits.

Heute unterhalten rund 3.000 nationale und internationale Mitarbeiter 19 medizinische Einrichtungen und stellen an verschiedenen Standorten mehr als 1000 Krankenhausbetten bereit.

 

ÄRZTE OHNE GRENZEN erhielt bis Ende Mai Spenden in Höhe von 91 Millionen Euro für Haiti, von denen etwa 53 Millionen Euro bereits in den ersten fünf Monaten nach dem Beben eingesetzt wurden. Bis Ende 2010 sollen rund 89 Millionen Euro für die direkte Nothilfe ausgegeben werden.

Sechs Monate nach dem Beben hat sich die medizinische Versorgung für einen Großteil der Bevölkerung wesentlich verbessert. Einige der ärmeren Menschen, die vor dem Unglück keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hatten, werden nun versorgt.
Damit das so bleibt, ist jedoch anhaltendes internationales Engagement nötig, und die Frage ist, wie die Qualität der Hilfe garantiert werden kann. Da der Wiederaufbau nur sehr langsam vorankommt und die Regenzeit die Lage erschwert, werden dringend Notunterkünfte gebraucht. Zwar ist die ärmere Bevölkerung Haitis einen sehr niedrigen Lebensstandard gewöhnt, dennoch nehmen Frustration und Wut wegen der sich kaum verbessernden Lebensbedingungen seit dem Erdbeben zu. Aktuelle hat die Regenzeit – und was noch viel schlimmer ist , die Hurrikan Zeit begonnen. Es leben noch ca 800000 Personen in riesigen Zeltstädten in Port-au-Prince . Was wird wohl mit diesen Menschen geschehen, wenn ein Hurrikan über die Stadt fegt?

Mein Einsatz für Haiti begann mit einer e-mail von ÄRZTE OHNE GRENZEN Berlin
am 31.5.10:

“Hallo Helmut, wärst du ab sofort für einen Monat verfügbar für Haiti?
Wäre super .Grüße aus Berlin“.

 Es folgten viele Telefonate, e-mails und schließlich am

03.06.10 Fahrt nach Berlin zum 1. Briefing und Arbeitsvertrag in MSF Berlin,  
Am 06.06.10 ging es dann mit dem Flug von Berlin nach Brüssel los. Ich war vorgesehen zur Mitarbeit bei Ärzte ohne Grenzen in der Sektion Belgien. Somit war das nächste Briefing in Brüssel. Am 07.06.10 ausführliches Briefing in MSF Brüssel > 4 h über meine Tätigkeit, meine Aufgaben und Erwartungen., Sicherheitslage, Lage vor Ort.

Am 08.06.10 ca 5 pm „endlich“ Ankunft in Port-au- Prince.

Bei Eintreffen im Krankenhaus warteten 130 Patienten nur auf mich. Ein mir völlig unbekannter Umstand.
Der letzte Chirurg  war 4 Wochen zuvor gegangen.

 Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich zunächst Probleme die limitierten medizinischen Möglichkeiten im OP und in der Nachsorge zu akzeptieren. Es gab einfach viele medizinischen Gerätschaften nicht. Ich hatte im OP kein Rö- Gerät zur Verfügung, keinen automatischen Bohrer, keine Schrauben, keine Platten, keine modernen Knochennägel für den Oberschenkel oder Unterschenkel. Somit musste ich mit Drähten und externen Fixateuren versuchen die Probleme zu lösen. Aber ich musste rasch lernen mit der Beschränkung zurecht zu kommen.
Es war dann schließlich erkennbar, daß die Patienten von der Arbeit des Teams der Op Schwestern, Anästhesisten, mir als Chirurg und den Physiotherapeuten auf Station (die Organisation „handicap international“ war mit in der Patientenversorgung des Krankenhauses integriert ) deutlich profitierten.  

 

Die Programme von ÄRZTE OHNE GRENZEN werden zu großen Teilen von nationalem Personal durchgeführt. Deshalb sind die Aus- und Weiterbildung dieses Personals wichtiger Bestandteil fast aller Projekte.
So war auch ein Teil meiner Aufgaben, neben der chirurgischen Tätigkeit, auch die Ausbildung der haitianischen Mitarbeiter im OP , was mir viel Spaß machte und auch rasch „Früchte“ trug. So konnte ich nach 1 Woche 2 OP Säle wechselweise und ohne Zeitverzögerung „bedienen“.
Die internationalen Mitarbeiter koordinieren die Programme und sind auch für die Ausbildung zuständig. In chronischen Krisengebieten liegt meist auch das Bildungssystem am Boden. ÄRZTE OHNE GRENZEN versucht auch diese Lücke zu schließen, soweit es für die Gewährleistung einer Basisversorgung nötig ist.

 Es war ein sehr befriedigendes Gefühl für mich, tatsächlich helfen zu können, auch mit sehr beschränkten Mitteln.
Diese Gefühl des erfolgreichen Helfens ohne vorherigen oder nachrangigen stundenlangen Dokumentationswahn ist mein „Lohn“ für diesen Einsatz und ich möchte dieses Gefühl nicht mehr missen.

Der Einsatz war körperlich sehr anstrengend. Es war sehr heiß, schwül. Tgl. 10 h Arbeit, 3 h Fahrt von der Unterkunft ins Krankenhaus und zurück. Schlafstörungen als Nebenwirkung der Malariaprophylaxe. Absolut wahnsinniger Straßenverkehr. Keine Straßen,  die diesen Namen verdienen. Keine Freizeit. Keinen „Ausgang“.

Es waren sehr viele Patienten mit komplizierten Heilungsverläufen. Viele nicht heilende Frakturen, 5 Monate nach Unfall. Fehlverheilte – bzw. nicht heilende Unterschenkelfrakturen, Oberschenkelfrakturen, Unterarmfrakturen, Wirbelkörperfrakturen. Viele traumatische Querschnittslähmungen. Offene, infizierte Druckgeschwüre. Sehr viele chronische Knochenentzündungen mit Fistelbildungen bei nicht heilenden Frakturen.  Zusätzlich kamen täglich neue Patienten nach Verkehrsunfällen und auch Schussverletzungen. Auch einige angeborene Fehlbildungen des Knochengewebes wurden mir vorgestellt.  Besonders in Erinnerung wird mir das Schicksal einer 30 jährigen Frau bleiben, der ich den Unterarm amputieren musste, nachdem sie bereits ihr rechtes Bein verloren hatte. Und somit weder an Gehstöcken laufen können wird , noch im Rollstuhl alleine beweglich sein wird.

Arbeiten mit Ärzte ohne Grenzen ist wahrscheinlich anders, als die meisten Menschen es sich vorstellen. Extreme Arbeitssituationen und Lebensbedingungen fordern heraus und verbinden - mit dem Team und mit den Menschen im Einsatzland. Die Arbeitssituationen sind oft komplex und sehr fremd, so dass Flexibilität und Kreativität gefragt sind.

Wer in Projekten mitarbeiten möchte, sollte neben einer professionellen Ausbildung einen hohen Grad an Idealismus mitbringen, aber auch einen kühlen Kopf, Gelassenheit, gesunden Menschenverstand und die Fähigkeit zur konstruktiven Kommunikation. Nicht selten muss man sich darauf einstellen, dass eine labile Sicherheitslage die persönliche Bewegungsfreiheit einschränkt und die Geduld auf eine harte Probe gestellt wird. 
Ich kam müde, aber sehr zufrieden zurück nach Hause und werde gerne erneut für ÄRZTE OHNE GRENZEN in den humanitären Einsatz gehen.

Die Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN macht seit 40 Jahren nichts Anderes als Einsätze dieser Art und hat die entsprechenden organisatorischen, logistischen und finanziellen Erfahrungen derartige Projekte durchführen zu können.

 ÄRZTE OHNE GRENZEN hilft Menschen in Not, Opfern von natürlich verursachten oder von Menschen geschaffenen Katastrophen sowie von bewaffneten Konflikten, ohne Diskriminierung und ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung.

Im Namen der universellen medizinischen Ethik und des Rechts auf humanitäre Hilfe arbeitet ÄRZTE OHNE GRENZEN neutral und unparteiisch und fordert völlige und ungehinderte Freiheit bei der Ausübung seiner Tätigkeit.

Die Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN verpflichten sich, die ethischen Grundsätze ihres Berufsstandes zu respektieren und völlige Unabhängigkeit von jeglicher politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Macht zu bewahren.

 Ich verweise dabei auf die homepage: http://www.aerzte-ohne-grenzen.de

  

Praxis Dr. Lux
luxdr@gmx.de

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